WERNERS BLOG

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  Zeichnung: Wilhelm Busch

Dienstag,
14. Juli 2026
Heute mal ein Gedicht zum Sommer, wie wir ihn dieses Jahr erleben. Bin derzeit in Italien (Piemont), hier weiß man schon gar nicht mehr, was Regen ist.

Klimawandel in Berlin

Die Sommer werden heiß und immer heißer,
die Erde trocken, alle Pflanzen dürr.
Die Stimmen werden leise, immer leiser,
die Klimawandel leugnen, doch dafür
zieht unsere Regierung sich zurück
von allem, was das Klima schützen könnt‘.
Um uns zu retten aus dem Missgeschick,
begehen Wege wir, die kompetent
uns zeigen können, wie das Wetter
zu besserer Performance man bewegt:
Man stellt sich auf im Kreis, ruft an die Götter,
man trommelt, singt und springt, bis ganz erregt
sich fühlt die ganze Schar. Vielleicht ist dies
die sicherere Arbeitsweise, um
das Klima dazu zu bewegen, wie’s
sich endlich wieder wende andersrum.

Von hoher Stelle ist nichts zu erwarten,
was hätte irgendeine Relevanz.
Begeben wir uns lieber in den Garten
und vollführen einen Regentanz.

13.7.26
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Freitag,
26. Juni 2026
Vor lauter Hitze, Reisen und sonstigen wichtigen und anstrengenden Ereignissen hätte ich beinahe vergessen, das Erscheinen unseres Buches zu vermelden.

Vor kurzem brachte der Berliner Regenbrecht Verlag Ingeborgs Übersetzungen von 99 Gedichten von Robert Frost heraus. Mein bescheidener Beitrag ist ein Nachwort, in dem ich Leben und Werk des Dichters vorstelle. Ingeborg hat zu jedem der Gedichte noch einen kurzen Kommentar geschrieben, der zum besseren Verständnis der Zeilen hilft.

Das Buch ist auch in der Ausstattung sehr schön geworden, dafür ein großer Dank an unseren Verleger Martin Regenbrecht.

ISBN 978-3-948741-20-4, 332 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 34,- €
  Dazu noch ein paar Bilder von unterwegs:

   
  Dies ist ein Gedenkstein für Walther von der Vogelweide im Würzburger „Lusamgärtchen“ (Reste des Kreuzgangs des ehemaligen Kollegiatstiftes Neumünster), ob es auch seine Grabstelle ist, ist umstritten. Es ist schon sehr erstaunlich, dass es auch nach 800 Jahren für einen toten Dichter noch frische Blumen gibt.
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  Und noch ein paar Bilder aus Appenzell, vom Oberengadin, aus dem Bergell und vom Comer See    
 
Appenzell Am Julierpass Blick durch ein Fenster des sehr sehenswerten Segantini-Museums in St. Moritz auf den Sankt Moritzer See Das Nietzsche-Haus in Sils-Maria
Appenzell Am Julierpass Blick durch ein Fenster des sehr sehenswerten Segantini-Museums in St. Moritz auf den Sankt Moritzer See Das Nietzsche-Haus in Sils-Maria
 
Tüpfel-Enzian auf der Chastè (Halbinsel im Silser See) Der Nietzsche-Stein auf der Chastè Rätoromanische Aufforderung an die Wanderer, die Hinterlassenschaften ihrer Hunde einzusammeln. Man beachte die deutsche Übersetzung An der Westspitze der Chastè
Tüpfel-Enzian auf der Chastè (Halbinsel im Silser See) Der Nietzsche-Stein auf der Chastè Rätoromanische Aufforderung an die Wanderer, die Hinterlassenschaften ihrer Hunde einzusammeln. Man beachte die deutsche Übersetzung An der Westspitze der Chastè
 
Gletschermühle am Malojapass Borgonovo (Bergell) Weiße Schwalbenwurz (im Bergell) Steiler Wanderweg nach Soglio (Bergell)
Gletschermühle am Malojapass Borgonovo (Bergell) Weiße Schwalbenwurz (im Bergell) Steiler Wanderweg nach Soglio (Bergell)
 
Landschaft im Bergell Soglio (Bergell) Comer See In einem Park am Comer See
Landschaft im Bergell Soglio (Bergell) Comer See In einem Park am Comer See
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Donnerstag,
07. Mai 2026
In den Nachrichten höre ich heute, dass gut ein Viertel (genauer: 28 Prozent) der jungen Männer nicht auf die Anschreiben der Bundeswehr zum neuen Wehrdienst antwortet, obwohl dies eigentlich verpflichtend ist. Das Verteidigungsministerium habe deutlich gemacht, dieses Verhalten nicht hinzunehmen, heißt es, und man werde den Fällen nachgehen und gegebenenfalls Bußgelder verhängen.

Da fällt mir eine andere Meldung ein, die allerdings schon einige Zeit zurückliegt (an den Zahlen wird sich aber kaum viel geändert haben): Vor ein paar Jahren gab es eine Studie zur Literalität der Deutschen, d.h. zu ihrer Fähigkeit lesen und schreiben zu können. Darin hieß es, 12,1 Prozent der Erwachsenen (= über sechs Millionen!) "lesen und schreiben auf einem niedrigen Kompetenzniveau". Mit anderen Worten, so einen Brief zu verstehen sind sie gar nicht in der Lage.

Wie sollen sich die angeschriebenen jungen Männer auch melden, frage ich mich, wenn sie das, was man ihnen schreibt, gar nicht lesen können. (Die übrigen, die nicht antworten, haben den Brief vielleicht für einen Aprilscherz gehalten.)

Und was soll die Bundeswehr im Ernstfall mit solchen Kandidaten überhaupt anfangen?
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Sonntag,
19. April 2026
Heute ein Sonett zur aktuellen Lage an der Straße von Hormus



Mephisto am Persischen Golf

Am Golf ein Krieg tobt, keine Schiffe mehr
beliefern uns mit Öl wie stets zuvor
und alle sind sich einig wie ein Chor:
Das billige Benzin muss wieder her!

Die Forderung ist sicher populär,
Doch könnt’s auch sein, die Lage ist Symbol
für alles, was uns zwingt zu unsrem Wohl
um endlich das zu tun, was richtig wär.

Braucht’s wirklich erst solch derben Tritt
damit wir wagen einen forschen Schritt,
um zu entkommen der fossilen Haft?

Mach bitte frei, Mephisto, uns vom Sprit,
Am Golf bist du, dort waltet deine Kraft,
die‘s Böse will – und stets das Gute schafft.

7.4.26

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Donnerstag,
9. April 2026
Vielleicht, vielleicht gelingt es mir, regelmäßig Gereimtes hier vorzustellen.

Hier das Gedicht des Tages. Wie das letzte ist auch dieses meinem gegenwärtigen Lebensabschnitt gewidmet.



Mindesthaltbarkeit

Ich weiß nicht, wann ich letzten End‘s erreiche
das Datum meiner Mindesthaltbarkeit:
Ob mir erlaubt ist, dass ich‘s überschreit‘?
Man hat ja nie für so etwas Vergleiche.

Es heißt, ein solch prekäres Datum sei
nicht ganz so ernst zu nehmen, nicht verdorben
sei alles, was darüber liegt. Gestorben
erst wenn einer ist, ist es vorbei.

Ob ich es merke, wenn ich nicht mehr nütze
zum ernsthaften Gespräch, nur dumme Witze
äußere und keine Ahnung habe,

was ich gerade hab gesagt, getan?
Mich vielleicht verspinne in den Wahn?
Wenn nicht, wird’s Zeit, dass flugs man mich begrabe.

9.4.26
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Sonntag,
29. März 2026
Schnell noch, bevor der März vergangen ist (ohne dass ich ihn mit einem Eintrag würdige), ein paar Zeilen von mir. Was ist in der Zwischenzeit geschehen? Zum Beispiel zwei Tage mit Ingeborg voller Kultur in der Nähe von Basel: eine Aufführung von Wagners Parsifal im Goetheanum
und ein Besuch der Cezanne-Ausstellung in der Fondation Beyeler. Großartig, alles miteinander.

Und dann - aber eigentlich wollte ich damit noch gar nicht so bald herausrücken - taste ich mich vorsichtig an das Verfertigen von Gedichten heran. Und jetzt zeige ich doch etwas von meinen Machwerken her.

Die letzten Jahre

Am Strand die Wellen immerfort sich brechen
und Jahr für Jahr bespülen sie das Land.
So spielen sie auf ewig mit dem Sand,
der ohne Ruhe irrt in tausend Bächen.

Ich irr‘ wie er, wir beide irren leicht
und merken dabei, Stund' um Stund' verrinnt.
Und hin und wieder ist’s, als ob ein Wind
fürsorglich über meinen Kahlkopf streicht,

als wollt‘ er mich erinnern: Freund, ʻs wird Zeit,
glaubst du, du lebst auf ewig, du allein?
Nutze die Frist, doch halte dich bereit!

Was schreibe ich da nur? Was fällt mir ein?
Noch lange ist’s nicht, hoffe ich, soweit.
Doch ein Memento mori darf schon sein.

Doch lässt sich aus dem Sand nicht noch was lesen?

Nicht kontinuierlich werd‘ ich alt: in Schüben
geht‘s doch zum unvermeidlichen Finale,
zurück und wieder vor, oft viele Male.
Vor-, seit- und rückwärts führt mein Weg nach Drüben.

So ist nicht falsch das Bild von Strand und Wellen,
auch wenn’s Gleichförmigkeit will unterstellen
mit seinem ew‘gen Hin und Her,
als ob’s ein regelmäßig' Uhrwerk wär,

was mich zum letzten Ende hin antreibt.
Nein, wie eine Springprozession
bewegt sich, was an Lebenslauf noch bleibt.

Regellos und bunt, ganz ohne Präzision
verläuft der letzten Jahre Wenigkeit.
Unordentlich, wie’s ganze Leben eben.

28.3.26/aktualisiert 3.4.26

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Samstag,
07. Februar 2026
Bilder von unterwegs (14)

Gestern im Supermarkt entdeckt:

Das Essen ist fertig!
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Freitag,
30. Januar 2026
Die alten Tagebücher (80)

14. und 18. April 1982

Zum Vergraben des Güllefasses für den Toilettenabfluss haben wir ein Stück des angrenzenden Grabens ausbaggern lassen. Der Aushub muss weggeschafft werden.

(...)
C. neulich beim Milchholen. Der alte Hoiß raunzt sie an, "wann das Holz da endlich wegkäme" (es war zu dem Zeitpunkt schon weg), Holz, das rausgeschnitten wurde, um den Graben auszubaggern, und seitdem auf der angrenzenden Wiese lag. Mir war/ist nicht so ganz klar, was der alte Hoiß da zum Mitreden hat, es ist weder seine Wiese, auf der das Zeug liegt, noch ist er sonst irgendwie direkt betroffen. Mit dem Tattenhausener, der den angrenzenden Wiesenstreifen gepachtet hat, habe ich schon geredet und ihm gesagt, diese Woche (die Woche nach Ostern) käme das Holz weg, und für die aufgeworfene Erde hätte der Hoiß eine Verwendung (was dieser mir tags zuvor gesagt hatte).

Kommt da ein Mißtrauen der bäuerlichen Nachbarschaft uns gegenüber zum Ausdruck? Wer nicht täglich von Sonnenauf- bis untergang werkelt wie sie, wer anders ist, ist erstmal verdächtig, ist zu bekämpfen. Oder so. Zwei-, dreimal die Woche holen wir bei seiner Frau Milch, da ist nichts als die schiere Freundlichkeit. Widerspruch?

Ich kann mir schon vorstellen, daß wir hier eine Außenseiterrolle spielen müssen, beäugt, beargwöhnt, auch wenn wir's nicht täglich mitkriegen.

Für uns ist wichtig, daß wir uns davon in unserem Lebensgefühl nicht beeinträchtigen lassen. Manchmal nicht leicht.

18.4.
Zum Obigen: Erklärung: die Bauern sind natürlich scharf auf Jobs, wo's Bargeld gibt. Und den Aushub wegfahren (der wegmuß, er liegt ja auf der Wiese), kann nur einer, der die entsprechenden Maschinen hat. Und der kann dafür Geld kassieren. Und wir sind Leute mit Bargeld, weil wir arbeiten gehen. Vielleicht nicht täglich, aber immerhin. Also mischt sich der Hoiß als Nachbar ein, er hat schließlich einen Frontlader, und wenn es auch das älteste Modell ist, das im ganzen Landkreis rumfährt, Geld läßt sich immer noch damit verdienen.

Ich frage ihn, was er verlangen würde. 70 Mark. Tun es 50 nicht auch? Duast no an Zehner drauf, daß'd aa ned recht hast.
(...)

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Mittwoch,
21. Januar 2026
Wenn auch etwas verspätet, zum Jahreswechsel noch einige Bilder aus dem Piemont. Ein Garten sieht dort im Winter ein bisschen anders aus als im Schwarzwald.

 
Weihnachtsnarzissen. Sie haben im Schwarzwald leider keine Chance Die letzte Rose Der Spatzenschreck genießt die Aussicht Der Monviso mit Neuschnee und Weihnachtsnarzissen
Weihnachtsnarzissen. Sie haben im Schwarzwald leider keine Chance Die letzte Rose Der Spatzenschreck genießt die Aussicht Der Monviso mit Neuschnee und Weihnachtsnarzissen
 
Noch einmal Monviso - er reizt ständig zum Fotografieren Gartenarbeit im Winter, hier die Äste einer Feige ... ... die nicht nur köstliche Früchte, sondern auch Brennholz liefert Auch der halbtote Birnbaum wird jedes Jahr in Form gebracht
Noch einmal Monviso - er reizt ständig zum Fotografieren Gartenarbeit im Winter, hier die Äste einer Feige ... ... die nicht nur köstliche Früchte, sondern auch Brennholz liefert Auch der halbtote Birnbaum wird jedes Jahr in Form gebracht
 

Alles Gute im Jahr 2026!
   
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    zum Abschnitt Jan. – Dez.2025 zum Abschnitt Jan. – Dez.2024
zum Abschnitt Jan. – Dez. 2023 zum Abschnitt Jan. – Dez. 2022 zum Abschnitt Jan. – Dez.2021 zum Abschnitt Okt. – Dez.2020
zum Abschnitt Juli – Sept. 2020 zum Abschnitt April – Juni 2020 zum Abschnitt Jan. – März 2020 zum Abschnitt Okt. – Dez.2019
zum Abschnitt Juli – Sept.2019 zum Abschnitt April – Juni 2019 zum Abschnitt Jan. – März 2019 zum Abschnitt Okt. – Dez.2018
zum Abschnitt Juli – Sept. 2018 zum Abschnitt April – Juni 2018 zum Abschnitt Jan. – März 2018 zum Abschnitt Okt. – Dez.2017
zum Abschnitt Juli – Sept. 2017 zum Abschnitt April – Juni 2017 zum Abschnitt Jan. – März 2017 zum Abschnitt Okt. – Dez. 2016
zum Abschnitt Juli – Sept. 2016 zum Abschnitt April – Juni 2016 zum Abschnitt Jan. – März 2016 zum Abschnitt Sep. – Dez. 2015